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Tag: deutschland

Nationale Errungenschaften

Alle protzen. Alle. Das ist ja auch nix neues. Besonders vor fremden immer gern:

  • Ich komme aus der größten…
  • Wir haben den ältesten…
  • Bei uns gibt es am meisten…
  • Blah blah blah…

Hier in diesen internationalen Kreisen gibt’s solche Gespräche recht häufig. Und natürlich weiß inzwischen jeder, dass ich aus Europas zweitgrößter Stadt ohne eigenen Bahnhof komme.
Meist sind solche Sachen dann auch Dinge, die im Gespräch untergehen. Aber gelegentlich gibt es Spezialfälle, wenn nämlich meint mit sowas protzen zu müssen. Haribo, so haben mir verschiedene Dänen schon versucht zu erklären, komme nämlich aus Dänemark. Es wird ja auch überall verkauft hier. Drei Wörter reichen da meist als Antwort: Hans Riegel, Bonn. Der Klugscheisser in mir tanzt dann eine halbe Stunde lang durch die Gegend.

Es gibt aber selbst darunter noch zwei Superprotzereien, die ich natürlich nicht für mich behalten kann/will…

  1. Vor 1½ Jahren ungefähr hat uns ein Franzose zu erklären versucht, dass Brot in Frankreich erfunden wurde.
  2. Just Gestern Abend hat ein Freund aus Italien darauf bestanden, dass Messer und Gabel von einem Italiener erfunden wurde.

Ich antwortete bei beiden Fällen mit gleichem Wortlaut. Dass Brot wie auch Essbesteck wohl schon im Gebrauch waren, lange bevor die Menschen den Afrikanischen Kontinent verließen, hab ich dabei wohlwollend außer Acht gelassen.
Meine Antwort: “Das mag ja sein, aber das Rad wurde von einem Deutschen erfunden!”

Finale ’92

Finale'92: 0-0Wann immer ich mich mit Dänen über Nationalmannschaftsdinge unterhalte, dauert es meist nicht lang und das EM Finale von 1992 wird feierlich serviert. Ich muss gestehen, dass ich erst einmal nachlesen musste, was denn da war. Das ist so ähnlich wie die Österreicher immer mit ihrem Cordoba, für die ein Feiertag den noch Generationen nach ihnen zelebrieren, und kaum ein Deutscher kann sich wirklich noch daran erinnern.

Finale'92: 1-0Jedenfalls hat Deutschland damals im Finale 0:2 gegen die Dänen („We are Red, we are White, we are Danish Dynamite!“) verloren, die überhaupt nur ins Turnier gerutscht ist, weil Jugoslawien sich entschlossen hat einen Krieg zu veranstalten. Dänemark galt damals als Spaßtruppe, die aus dem Urlaub zurückgeholt wurde und hat das Turnier in Schweden tüchtig aufgemischt.
Das Finalspiel wurde am Tag vor der WM im Dänischen Fernsehen wiederholt und hinter vorgehaltener Hand wurde mir schon von 3 Dänen gestanden, dass der Sieg mehr als Glücklich war.

Finale92_2-0Der größte Skandinavische Mobilfunkanbieter hat gerade eine Kampagne, dass man ja immer so viel Vergisst. Ich glaube die werben für mobiles Internet oder so. Keine Ahnung. Ist aber auch egal. In dem Werbespot jedenfalls wird hübsch beschrieben, wie man die Haustürschlüssel auf dem Tisch vergisst, oder beim Angeln gerne mal vergisst, wie groß der Fisch nochmal wirklich war. Nicht vergessen, und so geht es fast wörtlich, kann man natürlich den Ausgang vom Finale ’92. Gezeigt wird währenddessen ein kleiner Cartoon in dem ein offensichtlich deutscher Fußballer von einem dänischen Klatschhut zwei Ohrfeigen bekommt. Ich hab das mal abfotografiert…

Ein Deutscher will zur Bundestagswahl

Liebes Deutschland,

Teil meines Demokratieverständnisses ist es, dass es dem Wähler so leicht wie möglich gemacht werden soll, seine Stimme abzugeben. Und, dass alle Wähler gleich sind.
Nun bin ich einer von über 800.000 Deutschen die nicht in der Bundesrepublik selbst wohnen. Ich habe diese Zahl irgendwo im Internet gefunden und würde mich nicht zu sehr auf deren Richtigkeit verlassen, aber das entspricht trotzdem der Einwohnerzahl von Bonn und Bremen zusammen. Und das ich meine Wahlunterlagen tatsächlich letzte Woche bekam, ist nur meiner Hartnäckigkeit zu verdanken.

Ich musste ein Formular ausfüllen und das einschicken. Klingt simpel. Aber das Formular zu finden war schon nicht leicht. Solche Dinge sind gut versteckt auf Unterseiten der Botschaft und des Auswärtigen Amtes. Als ich es dann endlich hatte, musste ich recht lang nach den Daten forschen, die eingetragen werden sollten. Ich mag eine Ausnahme sein, aber ich kenne meine Wahlkreisnummer nicht. Und die herauszubekommen machen Deine Internetauftritte, liebes Deutschland, auch nicht leicht.

Ich gehe davon aus, dass nicht jeder Deutsche im Ausland bei der Bundestagswahl teilnehmen möchte. Aber muss es deshalb so kompliziert sein? Wer einen Pass hat, gibt schließlich eine Adresse an, auch wenn Dich im Ausland nur die Stadt interessiert. Ich behaupte eine Postkarte mit Teilnahme-Registrierung würde den Aufwands- und Kostenrahmen nicht sprengen.

Immerhin, es hat geklappt. Ich durfte wählen. Per Briefwahl natürlich. Als würde ich noch in Düsseldorf wohnen. Ich bin Demokrat, liebes Deutschland, auch, wenn ich mich außerhalb Deiner Grenze aufhalte. Klingt komisch, ist aber so.

Vielen Dank und viele Grüße aus Dänemark,
Dein Karsten

P.S.: Geht wählen!

Lang lebe die Demokratie!

Ich bin Demokrat. Also nicht, so wie das in den USA verstanden würde, sondern eher so wie in Griechenland. Die Sache als solche, nicht eine bestimmte Partei. Herr Kempka hat mir mal verdeutlicht, dass es von unschätzbarem Wert ist, die Wahl zu haben. Ich war zarte 15 und es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich dachte: „Wow!“ – zumindest im Deutschunterricht.

Das ist schon eine ganze Weile her. Seit dem habe ich an jeder Wahl teilgenommen, zu der ich berechtigt war. Und daran möchte ich auch eigentlich nix ändern. Nur ist natürlich mittlerweile alles etwas komplizierter geworden. Ich bin Deutscher, EU-Bürger und lebe im Ausland, Dänemark, einem EU-Mitgliedsstaat.
Für die kommende Europawahl (im Juni) wurde ich angeschrieben. Ich sollte ich ein Formular ausfüllen und an die Aalborg’sche Kommunalverwaltung schicken. Hab ich natürlich. Das Formular sagt prinzipiell, dass ich EU-Bürger bin und an der Wahl teilnehmen möchte.
Letztens kam ein Schreiben von denen zurück. Sogar auf Deutsch. Ich bin jetzt im EU Wahlverzeichnis gelistet und darf meine Stimme abgeben. Wow.

Demnächst (im September) ist ja aber auch noch Bundestagswahl in Deutschland. Da wurde ich nicht angeschrieben. Hab aber auf der Seite unserer Botschaft ein Formular gefunden, dass ich an meine letzte zuständige Gemeindebörde schicken musste. Wow.
War alles etwas kompliziert, aber auch der Brief ist weg. Ich bin mal gespannt, wann und vor allem was Düsseldorf antwortet.

Berichten die über sowas eigentlich auch in den Auswandershows auf RTL2?

Pass-Spaß

Ich bin Ausländer. Fast überall. Aber eben nur fast. Und um das zu beweisen, braucht es ein Papier. So eine Art Büchlein. International als Pass bekannt. Als Deutscher brauchst Du, Personalausweis sei Dank, sowas nicht, wenn Du die EU nicht verlässt. Selbst darüberhinaus ist ein „Reisepass“ (in Deutschland gibt es keinen Pass pur, nur einen zum reisen) oft nicht von Nöten.

Nun liegt der Fall bei mir ja ein wenig anders. Einen Perso bekommt jeder der in Deutschland wohnt. Das ist aber auch gleichzeitig Bedingung. Nun, ich wohne nicht in Deutschland. Also keinen Personalausweis, sondern einmal Reisepass für mich, bitte.

Das ist allerdings kompliziert. Letztes Jahr hab ich ja nur einen Temporären bekommen. Jetzt darf ich einen richtigen haben. Mit Fingerabdrücken und allem Pi-pa-po. Kann ich jederzeit beantragen kommen, in der Botschaft meines Vertrauens. Kopenhagen. 417km.

Es gibt aber eine Ausnahme, in Grenznähe ginge das auch. Bedeutet: Flensburg. Immerhin auf meiner Rute in die Heimat. Muss ich dann nur vorher bescheid sagen, damit die Papiere angefordert werden können. Aus Kopenhagen. Kostet auch eine kleine Gebühr…

Auf meinem Weg in die Osterferien war’s dann soweit. Morgens um 8 durfte ich 20 Minuten im Flensburger Bürgerbürowartezimmer sitzen und dann Reisepass beantragen und Fingerabdrücke abgeben. Die junge Dame wollte „strahlendes und wunderschönes Blau“ nicht als Augenfarbe durchgehen lassen. Ansonsten lief’s ganz gut, keine Dreiviertelstunde nach verlassen eben dieser war ich schon wieder auf der Autobahn.

Ach so, den Reisepass muss ich natürlich persönlich abholen. So in 4 Wochen vermutlich. Macht ja nix, werd ich wohl wieder eine Stippvisite in D machen. Dafür ist’s günstig. 118€ für Ausweispapiere. Jederzeit wieder.