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Category: Tagebuch

Ein Hoch auf das Beamtentum

Gerade im Ausland triffst Du ja gerne mal auf Klischees. Ich wurde Gestern etwa blöd angeguckt, weil ich ja quasi persönlich bereits in den 40ern einmarschiert bin. So richtig böse ist das nicht gemeint (ist jetzt natürlich auch aus dem Zusammenhang gerissen), aber Du wirst halt mit konfrontiert.

Mit was ganz anderem wurde ich allerdings auch konfrontiert:
Dem dänischen Beamtentum!
Sagen wir’s frei raus, die Deutschen haben den Beamten als solchen erfunden. Wenn sich die ganze Welt in einem Punkt über die Deutschen einig ist, dann wohl, dass sie (also die Deutschen) alle Bürokraten sind.
Das Wort „kurzer Dienstweg“ gibt es vermutlich nur in Deutschland. Versuch das mal einem Italiener zu erklären…

Jedenfalls wollte ich mich Donnerstag in Aalborg anmelden. Also bin ich zum Bürgeramt (Kommuna). Die Sachbearbeiterin meines Vertrauen sagte mir dann, dass ich eine Arbeitserlaubnis bräuchte. Vor Freunde strahlend erkläre ich ihr also, dass ich Deutschland bin. Doch auch das schmetterte sie ab mit der Erklärung, dass ich trotzdem eine Arbeitserlaubnis bräuchte. Für EU-Bürger sei das allerdings eine reine Formularie. Ich müsste mir diese in dem Schloss (das Aalborghus) abholen. Allerdings erst am nächsten Tag, heute haben die schon zu.

Freitag früh war ich der erste vor Ort und hab zur Begrüßung erst mal ein 4 Seitiges Formular in die Hand gedrückt bekommen.
„Aber ich bin aus der EU!“
„Richtig. Bitte das Formular ausfüllen.”

Ich wurde dann von einem alten Mann abgeholt, der mich fragte, ob es okay für mich wäre, dass eine neue Kollegin das mit mir durch gehen würde. Auf deutsch übrigens, alles andere läuft hier meist auf englisch.
Dänen haben so einen niedlichen Akzent. 🙂

Jedenfalls kam dann ‘die Neue’. Und sah toll aus. Sieht sie vermutlich immer noch. Wir gingen dann das Formular durch, natürlich hab ich ein paar Sachen falsch eingetragen und so. Ich gebe zu, Formulare ausfüllen ist nicht zwingend meine stärke. Fotos mitbringen übrigens auch nicht, die muss ich noch nachreichen. Und dann, schwuppdiwupp, nur etwa 2 Wochen später bekomme ich schon meine Arbeitserlaubnis.

Ich behaupte das geht sogar in Deutschland wesentlich schneller und unkomplizierter…

Dänen lügen nicht

Stell Dir mal vor… Du bist an Weiberfastnacht in Köln feiern. Morgens um 7 geht der Wecker, Du springst den ganzen Tag wie ein Flummi durch die Gegend und kommst nach 13 Stunden wieder nach Hause. Fix und fertig, um 10 Uhr Abends, guckst Du, auf dem Weg ins Bett, einfach noch mal nach Deinen Mails. Was Du findest ist eine Nachricht, die sich bereits in den Spam verirrt hat: Du wirst 4 Wochen später für 3 Jahre in einem 800km entfernten Örtchen erwartet.

Wann schläfst Du ein?

  1. 20 Minuten später
  2. um Mitternacht
  3. ca. 2 Uhr
  4. so gegen 6

Auflösung: 4.

Nach einem Tag voller Panik freue ich mich jetzt sehr. Gespräche mit verschiedenen Instanzen bei der Valtech, Freunden und der Familie wurden geführt und eigentlich fanden’s alle cool. Tja, nicht mehr lange, dann geht’s los.
Jetzt sind bereits die ersten Kartons gepackt und einige Verträge gekündigt…

Ab März bin ich also im hohen Norden Dänemarks in Aalborg an der Uni und arbeite an einem EU-Projekt. Es geht um semantische Wikis, das Kiwi Project. Und wenn alles gut läuft, wovon wir mal blauäugig ausgehen wollen, habe ich 2011 meinen Doktor.
Krass, oder?

Scheißtag.

Viel zu wenig geschlafen. Morgens zum Bike und BMX Festival gefahren. Ausgefallen, Regen und Sturm.
Dann in die Arena zum Revier-Derby-Public-Viewing. Geplant war: Meisterschaftsfeier. Schalke hat die hucke voll bekommen. Kacke.
Hinterher durch ein halbes Dutzend beschissen bis mäßiger Kneipen getingelt. Cicero auf den 19. verenden sehen und viel zu spät ins Bett geplumst.
Scheißtag.