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Tag: wahl

Wahlen in Dänemark

Dänemark ist ja, ähnlich wie bei den Briten, eine Konstitutionelle Monarchie. Sprich: Es gibt einen König (oder wie hier eine Königin), zu sagen hat der (oder die) aber relativ wenig. Die Regierung wird demokratisch gewählt. Übrigens eine Regierung, keine Föderation wie etwa in Deutschland. Jedenfalls passiert genau das hier nächste Woche.

Da ich ja kein dänischer Staatsbürger bin, brauche/darf ich nicht mitwählen. Aber hier herrscht natürlich gerade erbittertster Wahlkampf, von dem Du selbst dann nicht verschont wirst, wenn Du die hiesigen Medien so wenig verfolgst wie ich. Mir als Ausländer scheinen da allerdings ein paar Dinge etwas merkwürdig, bin’s ja anders gewohnt. Hier mal ein Überblick:

  • Die noch stärkste Partei ist die Venstre. Das heißt “Links”, die Partei selbst steht aber relativ weit rechts.
  • Die, die in den derzeitigen Umfragen vorne liegen, wenn auch knapp, sind die Socialdemokraterne. Ich glaube das brauch ich nicht übersetzen. Die kürzen sich mit “A” ab.
  • Mit einem “B” abgekürzt werden die Radikale Venstre (also die radikalen Linken). Die sind politisch relativ zentral angesiedelt, mit zeitgemäßen Ideen und einem Fokus auf den Finanzsektor. Ein bisschen so wie die FDP gerne wäre.
  • Die Konservative Folkeparti (Konservative Volkspartei) kürzt sich mit einem “C” ab. Die sind jedenfalls grün. Also nicht politisch, sondern im Logo. Eine grüne Partei gibt es meines Wissens nach nicht.
  • Die Kandidatin der Socialistisk Folkeparti ist ziemlich niedlich.
  • Der Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), die mit einem “O” abgekürzt wird, haben wir übrigens die Grenzkontrollen zu verdanken, von denen die verehrte Leserschaft sicher gehört hat. Die sind ziemlich weit Rechts. Und das mit offenem Visier. Ich würde die mit der DVU vergleichen. In einer aktuellen Umfrage liegen die bei 12.8%.

Spannende Sache solche Wahlen. Auch wenn ich zugeben muss nicht viel über Inhalte zu wissen. Ich bekomme hier und da mal Fragmente mit, aber wenn Du selbst nicht wählen darfst, ist die Luft irgendwie raus. Ich bin trotzdem gespannt wie’s ausgeht und hoffe auf einen Regierungswechsel. Das würde dann unter anderem A und B beinhalten. Klingt merkwürdig, aber ich glaube das wäre ein liberaler Mix, der diesem Land gut zu Gesicht stünde.
Wir werden sehen…

Geht Wählen!
Also, wenn ihr dürft… 🙂

Ein Deutscher will zur Bundestagswahl

Liebes Deutschland,

Teil meines Demokratieverständnisses ist es, dass es dem Wähler so leicht wie möglich gemacht werden soll, seine Stimme abzugeben. Und, dass alle Wähler gleich sind.
Nun bin ich einer von über 800.000 Deutschen die nicht in der Bundesrepublik selbst wohnen. Ich habe diese Zahl irgendwo im Internet gefunden und würde mich nicht zu sehr auf deren Richtigkeit verlassen, aber das entspricht trotzdem der Einwohnerzahl von Bonn und Bremen zusammen. Und das ich meine Wahlunterlagen tatsächlich letzte Woche bekam, ist nur meiner Hartnäckigkeit zu verdanken.

Ich musste ein Formular ausfüllen und das einschicken. Klingt simpel. Aber das Formular zu finden war schon nicht leicht. Solche Dinge sind gut versteckt auf Unterseiten der Botschaft und des Auswärtigen Amtes. Als ich es dann endlich hatte, musste ich recht lang nach den Daten forschen, die eingetragen werden sollten. Ich mag eine Ausnahme sein, aber ich kenne meine Wahlkreisnummer nicht. Und die herauszubekommen machen Deine Internetauftritte, liebes Deutschland, auch nicht leicht.

Ich gehe davon aus, dass nicht jeder Deutsche im Ausland bei der Bundestagswahl teilnehmen möchte. Aber muss es deshalb so kompliziert sein? Wer einen Pass hat, gibt schließlich eine Adresse an, auch wenn Dich im Ausland nur die Stadt interessiert. Ich behaupte eine Postkarte mit Teilnahme-Registrierung würde den Aufwands- und Kostenrahmen nicht sprengen.

Immerhin, es hat geklappt. Ich durfte wählen. Per Briefwahl natürlich. Als würde ich noch in Düsseldorf wohnen. Ich bin Demokrat, liebes Deutschland, auch, wenn ich mich außerhalb Deiner Grenze aufhalte. Klingt komisch, ist aber so.

Vielen Dank und viele Grüße aus Dänemark,
Dein Karsten

P.S.: Geht wählen!