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Category: Globetrotter

Karsten in der Soccer City. Teil 3: Der Weg zurück

Soccer City, das größte Stadion in Afrika und die Nummer 12 in der Welt (laut Wikipedia, Nr. 4 wenn wir American Football Stadien nicht mitzählen). Und bei der vielleicht meist beachteten Paarung Südafrikas war ich mittendrin. Nach vielen aufregenden Momenten auf dem Weg hin und während des Spiels, musste ich ja aber auch noch zurückkommen…

Arsenal und ich

Zu einer Zeit, in der ich mich für Fußball noch nicht so richtig interessierte, begann ich den Arsenal FC toll zu finden, weil Jens Lehmann da spielte und der ja nunmal, seien wir ehrlich, eine coole Sau ist. Viel später erst lernte ich Details zu Wengers Konzeptfußball und, dass Arsenal den schönsten Fußball auf der Insel spielt. Seit ich in Dänemark bin, gucke ich mehr und mehr Premier League. Nicht zwingend weil diese das Nonplusultra der Fußballigen ist (obwohl dem ja so ist), sondern weil die hier schlicht und ergreifend nicht viel anderes zeigen. Da blieb ich einfach bei Arsenal. Die Manchester und Liverpool Anhänger gingen mir eh ein bisschen auf die Nerven.

Wie Nick Hornby es ausdrücken würde: Arsenal hat sich entschieden mich als Fan zu haben, nicht umgekehrt.

Warschau, Euro2012

Vor einer Woche habe ich drei Freunde aus Chile, Griechenland und Mexiko eingepackt und mich auf den Weg nach Warschau gemacht. Ich war noch nie in Polen und wollte das EM Halbfinale, bei dem durch einen glücklichen Zufall sogar die Deutschen spielen sollten, zum Anlass nehmen, mir die Hauptstadt mal genauer anzusehen.

Wir haben uns alles ein bisschen angesehen und kann sagen, dass Warschau wirklich hübsch ist und so einiges zu bieten hat. Ohne auf Details eingehen zu wollen, haben wir beispielsweise ein beeindruckendes Museum zum Warschauer Aufstand besucht. Außerdem hab ich gelernt, dass Kopernikus, Chopin und Marie Curie aus Polen sind. Beziehungsweise waren. Hätte die alle woanders eingeordnet…

Skandalspiel

Jaja, schon wieder ein Eintrag über Fußball. Tut mir auch leid. Aber diesmal war’s recht ereignisreich…

Also, die Winterpause der dänischen Superliga wurde am letzten Wochenende beendet. Zum Auftaktspiel kamen die amtierenden und angehenden Meister aus Kopenhagen zu Besuch. Also sind wir auch hin. Sonntag um 18 Uhr. Knapp über Null Grad, dafür ein hübscher Wind. Angenehm ist anders.

Ab in den Süden

Mein chilenischer Busenkumpel hat seit dieser Woche einen neuen Arbeitgeber. Von der Uni zu einem Elektrogroßunternehmen. Sein Büro ist jetzt nicht mehr im Süden Aalborgs, sondern im Süden Dänemarks. Nämlich in Sønderborg.
Das liegt quasi auf der anderen Seite der Grenze von Flensburg und hat als Großbereich so viele Einwohner wie Herten. Ist aber, das muss ich neidlos anerkennen, wesentlich hübscher. Hat allerdings auch einen Hafen und Ostseestrand, das zieht immer.

Wir sind also Samstag mit fünf Leuten da runter. Der Umzug war relativ schnell gegessen. Wir konnten uns also voll auf die Einweihungsfeier konzentrieren. Inklusive grillen auf der riesen Dachterasse. Dann sind wir aus und wollten eigentlich auch gar nicht so lange bleiben…
Aber sowas funktioniert ja nie.

Wir sind dann inklusive Katerstimmung erst zum Mittag ins Auto gekommen. Wir hatten nämlich einen Ausflug nach Hamburg auf dem Programm. Schließlich spielte Schalke da am Nachmittag, und wenn wir schon mal so nahe dran sind…
Aus einer gemütlichen Tour durch die Stadt ist leider nur eine Dreiviertelstunde zwischen Jungfernstieg und Rathaus geworden, aber immerhin. Dann ab zum Stadion.

Hübsch ist’s, das darf ich als Semi-SanktPauli-Anhänger sagen. Als gute Gäste haben wir sogar artig bei der von den Ultras vorbereiteten Choreographie mitgemacht (Zettel hochhalten) und dem Masseur zum Geburtstag gratuliert. Außerdem hab ich’s geschafft einem Brasilianer, einem Chilenen, einem Griechen und einem Portugiesen ganze drei verschiedene Schalkelieder beizubringen. Da bin ich relativ stolz drauf. Und als die Blauen dann auch noch gewonnen haben… Hach, Auswärtssiege sind eine feine Sache.

Wir waren zwar erst mitten in der Nacht wieder zuhause, aber das ging schon okay.
Sowas nenn ich einen amtlichen Umzug. 🙂

Wahlen in Dänemark

Dänemark ist ja, ähnlich wie bei den Briten, eine Konstitutionelle Monarchie. Sprich: Es gibt einen König (oder wie hier eine Königin), zu sagen hat der (oder die) aber relativ wenig. Die Regierung wird demokratisch gewählt. Übrigens eine Regierung, keine Föderation wie etwa in Deutschland. Jedenfalls passiert genau das hier nächste Woche.

Da ich ja kein dänischer Staatsbürger bin, brauche/darf ich nicht mitwählen. Aber hier herrscht natürlich gerade erbittertster Wahlkampf, von dem Du selbst dann nicht verschont wirst, wenn Du die hiesigen Medien so wenig verfolgst wie ich. Mir als Ausländer scheinen da allerdings ein paar Dinge etwas merkwürdig, bin’s ja anders gewohnt. Hier mal ein Überblick:

  • Die noch stärkste Partei ist die Venstre. Das heißt “Links”, die Partei selbst steht aber relativ weit rechts.
  • Die, die in den derzeitigen Umfragen vorne liegen, wenn auch knapp, sind die Socialdemokraterne. Ich glaube das brauch ich nicht übersetzen. Die kürzen sich mit “A” ab.
  • Mit einem “B” abgekürzt werden die Radikale Venstre (also die radikalen Linken). Die sind politisch relativ zentral angesiedelt, mit zeitgemäßen Ideen und einem Fokus auf den Finanzsektor. Ein bisschen so wie die FDP gerne wäre.
  • Die Konservative Folkeparti (Konservative Volkspartei) kürzt sich mit einem “C” ab. Die sind jedenfalls grün. Also nicht politisch, sondern im Logo. Eine grüne Partei gibt es meines Wissens nach nicht.
  • Die Kandidatin der Socialistisk Folkeparti ist ziemlich niedlich.
  • Der Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), die mit einem “O” abgekürzt wird, haben wir übrigens die Grenzkontrollen zu verdanken, von denen die verehrte Leserschaft sicher gehört hat. Die sind ziemlich weit Rechts. Und das mit offenem Visier. Ich würde die mit der DVU vergleichen. In einer aktuellen Umfrage liegen die bei 12.8%.

Spannende Sache solche Wahlen. Auch wenn ich zugeben muss nicht viel über Inhalte zu wissen. Ich bekomme hier und da mal Fragmente mit, aber wenn Du selbst nicht wählen darfst, ist die Luft irgendwie raus. Ich bin trotzdem gespannt wie’s ausgeht und hoffe auf einen Regierungswechsel. Das würde dann unter anderem A und B beinhalten. Klingt merkwürdig, aber ich glaube das wäre ein liberaler Mix, der diesem Land gut zu Gesicht stünde.
Wir werden sehen…

Geht Wählen!
Also, wenn ihr dürft… 🙂

Jovanotti, am Nabel der Welt

Anfang der 90er Jahre haben wir Kabelfernsehen bekommen. Wann immer möglich, habe ich dann MTV angemacht. Man muss sich das mal vorstellen, damals lief auf MTV noch größtenteils Musik! Es war in einer Zeit vor Viva, in der wir Europäer aber immerhin unseren eigenen Kanal bekommen haben: MTV Europe. In die stark Britisch orientierte Musikauswahl haben sich immer mal wieder das ein oder andere Lied aus dem Sendebereich auf dem Festland verirrt. So hab ich etwa die Héroes del Silencio aus Spanien oder Die Fantastischen Vier aus Deutschland zum ersten Mal gehört. Aber sowas war eher die Ausnahme, das meiste war Britisch oder Amerikanisch.

Ein weiterer Künstler, den ich damals kennengelernt habe, ist ein Italienischer Rapper: Jovanotti. Die beiden Lieder „Serenata Rap“ und „L’Ombelico Del Mondo“ haben sich in mein Hirn gebrannt. Damals war ich sofort Fan.
Viele Jahre später komme ich nach Dänemark, treffe viele Italiener und als wir uns mal über Musik unterhielten, konnte ich sogar immer noch die eine Zeile zitieren: Affacciati alla finestra amore mio!
Direkt haben wir verabredet, dass sobald er wieder auf Tour kommt, gehen wir da hin. Nun, das war letztes Wochenende. Und wir in Mantova, zwei Stunden von Mailand entfernt Richtung Nordosten.

Jovanotti hat anscheinend eine lange Karriere hingelegt, mit einigen parallelen zu den Fantas in Deutschland. Sogar der Tanzstil ist dem von Smudo nicht unähnlich. Auch die Musik ist deutlich elektronischer geworden und manchmal singt er mehr als das er rappt.
Aber das hab ich eigentlich erst während des Konzerts rausgefunden. Zu Beginn kannte ich genau vier Stücke, wovon er zwei nichtmal gespielt hat. Und drei, die wir auf dem Weg in die Halle gehört haben, die CD haben wir erst kurz zuvor gekauft. “Ora”, ziemlich cool, wie ich finde. Größter Hit: “Tutto L’Amore Che Ho”. Dass ich vermutlich der einzige in der Halle war, der kein Italienisch sprach, versteht sich von selbst. Und trotzdem war das Konzert der Knaller.

Musik von Jovanotti hier zu verlinken ist aus vielerlei Gründen gar nicht so einfach. Darum verweise ich mal auf seinen YouTube Kanal und die offizielle Seite. Hoffentlich funktioniert irgendwas.

Natürlich sind wir aber nicht nur kurz zum Konzert und zurück. Wir haben eine Mini-3-Tage-Tour und gut 800km in einem Panda hingelegt, waren in Ispra, Bologna und Mantova. Haben ein paar Freunde endlich mal wieder getroffen, gut gegessen und die Sonne ein bisschen genossen. Das ganze Wochenende war grandios.

Die Fotos von dem ganzen Trip gibt’s hier. Und noch ein kurzes Video, wie gut ich im Stein auf einen anderen Stein werfen bin…

Einmal Europa und zurück

Das Projekt in dessen Rahmen ich meine Doktorarbeit (immer noch) schreibe (nämlich: KiWi) ist seit dem 1. März vorbei. Und weil die Europäische Union unsere Arbeit ja finanziert (also: hat), möchte sie auch gern sehen, wo das ganze Geld denn wohl bleibt (also: geblieben ist). So wird sichergestellt, dass Forscher nicht einfach nur abkassieren. Das Ganze ist sogar recht streng geregelt.

Nun, da das Projekt vorbei ist, mussten wir die Endresultate vor einem Ausschuß präsentieren. Also haben sich eine Auswahl an Vertretern unserer Truppe in Luxemburg eingefunden, inklusive mir. Wir haben präsentiert was wir so gemacht haben und warum. Wichtig war den Leuten der EU aber, dass auch nach Abschluß des Projektes nicht einfach alles stehen und liegen gelassen wird. Nachhaltigkeit ist hier das Zauberwort.

Obwohl der finale offizielle Bericht noch aussteht, scheint das Projekt auch soweit recht erfolgreich gewesen zu sein.

Witzig war übrigens, dass diese Veranstaltung ja in einem Gebäude in Luxemburg war. Am Eingang mussten wir Ausweis vorzeigen und haben dann eine schicke Gästekarte bekommen. Damit haben wir dann offiziell Luxemburg verlassen. Ähnlich wie in einer Botschaft standen wir dann also auf Grund und Boden der Europäischen Union. Europa. Pur. Reines Euroland. Total verrückt!

Nationale Errungenschaften

Alle protzen. Alle. Das ist ja auch nix neues. Besonders vor fremden immer gern:

  • Ich komme aus der größten…
  • Wir haben den ältesten…
  • Bei uns gibt es am meisten…
  • Blah blah blah…

Hier in diesen internationalen Kreisen gibt’s solche Gespräche recht häufig. Und natürlich weiß inzwischen jeder, dass ich aus Europas zweitgrößter Stadt ohne eigenen Bahnhof komme.
Meist sind solche Sachen dann auch Dinge, die im Gespräch untergehen. Aber gelegentlich gibt es Spezialfälle, wenn nämlich meint mit sowas protzen zu müssen. Haribo, so haben mir verschiedene Dänen schon versucht zu erklären, komme nämlich aus Dänemark. Es wird ja auch überall verkauft hier. Drei Wörter reichen da meist als Antwort: Hans Riegel, Bonn. Der Klugscheisser in mir tanzt dann eine halbe Stunde lang durch die Gegend.

Es gibt aber selbst darunter noch zwei Superprotzereien, die ich natürlich nicht für mich behalten kann/will…

  1. Vor 1½ Jahren ungefähr hat uns ein Franzose zu erklären versucht, dass Brot in Frankreich erfunden wurde.
  2. Just Gestern Abend hat ein Freund aus Italien darauf bestanden, dass Messer und Gabel von einem Italiener erfunden wurde.

Ich antwortete bei beiden Fällen mit gleichem Wortlaut. Dass Brot wie auch Essbesteck wohl schon im Gebrauch waren, lange bevor die Menschen den Afrikanischen Kontinent verließen, hab ich dabei wohlwollend außer Acht gelassen.
Meine Antwort: “Das mag ja sein, aber das Rad wurde von einem Deutschen erfunden!”